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DEMOKRATISCHE GELDSCHÖPFUNG UND GELDMENGEREGELUNG
Wie die Reichen mit der heutigen Geldordnung das Volk erpressen und ausplündern
 
Geld, sagt das Sprichwort, macht Geld. Hat man erst etwas gewonnen, so ist es oft leicht, mehr zu gewinnen. Die große Schwierigkeit besteht darin, etwas zu gewinnen.
Adam Smith, der geistige Vater der Marktwirtschaft  
Die erste Milliarde ist am allerschwersten zu verdienen. Einmal reich gewordene Familien diversifizieren ihr Vermögen und kehren nur noch sehr selten in die Mittelschicht zurück. Ein großes Vermögen zu verlieren ist genauso schwer, wie es zu verdienen. Der Landadel in Großbritannien, der Jahrhunderte alt ist, zählt immer noch einige der reichsten Individuen des Landes zu seinen Angehörigen. Von der Königin abgesehen, stammen drei der 13 vermögendsten Personen aus dem Landadel, und etliche der übrigen repräsentieren altes Geld. Die ursprüngliche Generation der Duponts und Rockefellers machte ihr Vermögen vor einer langen Zeit, aber viele Mitglieder der heutigen Familiengeneration sind weiterhin sehr reich. Die Waltons werden noch lange auf der Liste der wohlhabendsten Amerikaner stehen. Der Mythos, dass man innerhalb von drei Generationen „von Hemdsärmeln zu Hemdsärmeln“ zurückkehre, ist wirklich nichts anderes als ein Mythos.
Lester C. Thurow, ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und Entwicklungsökonom  
 
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Das Geldmonopol als das schlimmste aller Monopole in der Geschichte  
 

Für die Begründer der Religionen war kaum etwas so wertlos wie materielle Güter, deshalb würde man erwarten, dass sie sich für die ökonomische Problematik - wie wir es heute nennen würden - nicht interessierten. Ja, sie haben sich tatsächlich nicht dafür interessiert, die einzige Ausnahme war die Frage der Zinsen. Über sie haben sie sich doch Gedanken gemacht, sie haben sie verboten bzw. nur unter bestimmten Umständen zugelassen. Womit hat der Zins die Aufmerksamkeit derjenigen verdient, die sonst ihre Heimat im Jenseits suchten? Es kann nur daran liegen, dass schon im Altertum die damaligen Zivilisationen an den zinsbedingten Schulden zugrunde gingen. Manche klugen Herrscher des Altertums waren sich dieser Gefahr bewusst und sie wussten sich auch zu helfen. Die Schulden der Bauern, auf deren Schultern damals die ganze Wirtschaft ruhte, wurden unter den Schutz des „Gottkönigtums“ gestellt. Nach dem Codex Hammurabi (um 1750 v. Ch.) wurden die Schulden bei Überschwemmungen und Dürre erlassen. Auch bei ihrem Amtsantritt haben Herrscher des öfteren einen Schuldenerlass proklamiert, um die Wirtschaft zum „ursprünglichen“ Gleichgewicht zurückzuführen - sie sozusagen zu resetieren. Auch römische Kaiser verbrannten gelegentlich die Steuerverzeichnisse, um durch Vernichtung der Schulden einer Krise vorzubeugen. Woher kommt es, dass seit jeher die Schulden immer von Neuem dermaßen expandieren, dass sie die ganze Wirtschaft und Gesellschaft zu zerstören drohen?

Schulden sind nur möglich, wenn Menschen sozusagen überflüssiges Geld besitzen, das sie den anderen ausleihen. Die Schuldner sind oft Menschen, die ihre ökonomischen Chancen und Fähigkeiten überschätzen, die dann das geliehene Geld nicht zurückzahlen können und ruiniert werden. Der Geldverleiher dagegen ist fast nie ein Verlierer, weil er sich beim Schuldner mit einem Pfand absichert. Deshalb ist die Geldleihe das sicherste und lukrativste ökonomische Unternehmen, das es gibt. So wächst das Geld bei denen, die es am Anfang schon hatten, der Rest der Gesellschaft wird immer ärmer. Die Geldbesitzer korrumpieren staatliche Institutionen, die Armen werden immer mehr unterdrückt, irgendwann ruiniert man psychisch und physisch das ganze Volk und der Staat bricht in sich zusammen. Das Monopol am Geld ist schließlich das gefährlichste aller Monopole. Mit dem Zinsverbot sollte das Schuldenmachen erheblich reduziert werden. Aber das Zinsverbot hat auch einen großen Nachteil. Das Geld fließt nicht in Investitionen, auch diejenigen, die wirklich gute ökonomische Ideen haben, bekommen nicht ihre Chance, die Wirtschaft kann sich nicht entwickeln. Für die Religionsbegründer, bei denen es um die Mehrung des materiellen Reichtums nicht ging, konnte dies kein Problem sein. Was wäre eine bessere Lösung?

Der Zins ist im Grunde der Preis für das Geld, der als solcher nicht nur durch Vorschriften bzw. Verbote gesenkt werden kann, sondern auch durch eine Ausweitung des Angebots. Als das Geld noch aus Gold (und Silber) bestand, war dies nicht möglich, beim Geld aus Papier ist dies gar kein Problem. Das Papiergeld ist zum schlimmsten Alptraum für alle Geldbesitzer geworden, deshalb haben sie haben keine Möglichkeit ausgelassen, die Vermehrung des Papiergeldes zu beschränken oder ganz zu verhindern: Sie haben Gelddrucken für Teufelszeug erklärt. Kein Einfall und keine Spitzfindigkeit war für sie dumm oder dreist genug, um die Versorgung der Gesellschaft und Wirtschaft mit dem nötigen Geld zu verunglimpfen und zu verleumden. Die korrumpierbaren Professoren, Wirtschaftswissenschaftler und Experten haben für sie Theorien gegen das „Gelddrucken“ entworfen. In diesen Theorien wird „bewiesen“, dass das Geld neutral sei, womit gesagt wird, dass es nichts bringen kann, wenn die Geldmenge vergrößert wird. Dies sei angeblich nur sehr schädlich, weil es die Preise erhöhe, also zur Inflation führe. Das wird dann mit der sogenannten Quantitätstheorie des Geldes bewiesen. Sie lässt sich mit einer einfachen Formel darstellen:

M  ×  v    =    P  ×  Y

Links ist die Geldmenge (M), rechts ist das Preisniveau (P). Die Formel stellt offensichtlich eine mathematische Gleichung dar: Wenn eine Seite größer wird, muss auch die andere größer werden. Wenn man also die „Geldpresse anschmeißt“ und mehr Geld druckt (M), würden automatisch auch die Preise (P) steigen. Diese Gleichung hat die Wirklichkeit bisher nie bestätig, sie war schon immer falsch und sie wird immer falsch bleiben.

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Ein Mathematiker würde sich nicht über die empirische Tauglichkeit der obigen Gleichung äußern, er würde aber sofort erwidern, dass diese Gleichung nicht besagt, dass die größere Geldmenge (M) unbedingt die Preise (P) erhöht. Er würde sagen, dass genauso auch Y steigen kann. Dieses Symbol steht für die Gütermenge (Output), die die Wirtschaft produziert, was bedeutet, dass durch eine größere Geldmenge auch die Güterproduktion steigen könnte. Und in der Tat, es gibt viele Beispiele aus der Erfahrung, dass mehr Geld zu mehr Wachstum und Beschäftigung führt.

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All die Theorien über die angebliche Geldneutralität, wie auch die Quantitätstheorie des Geldes sind einfach falsch. Sie ist nichts anderes als die Ideologie der Geldbesitzer, mit der sie ihr Geldmonopol, das gefährlichste aller Monopole, leugnen, möge die Gesellschaft dabei auch vor die Hunde gehen.

Die heute dominante Variante des Neoliberalismus, der Monetarismus, beruht hauptsächlich auf der Quantitätstheorie des Geldes. Aber auch der deutsche Ordoliberalismus, von konservativer Seite heuchlerisch gerne als die Theorie der „sozialen Marktwirtschaft“ bezeichnet, ist ein Monetarismus, sozusagen eine getarnte Vorstufe des späteren Friedmanschen Monetarismus.

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Das ganze Gelaber über die „Neutralität“ des Geldes und der Schrei von dem „unverantwortlichen Gelddrucken“, das nur Inflation bringt (currency principle), ist nichts weiter als eine ideologische Waffe, um die Knappheit des Geldes zu rechtfertigen, damit diejenigen, die Geld haben, es monopolisieren und zur Ausbeutung der Gesellschaft ausnutzen können. Zu diesem Zweck hat man die sogenannten unabhängigen Notenbanken eingerichtet, die in einem gewissen Sinne schon unabhängig sind: unabhängig vom Volk und seinen demokratischen Institutionen. Diese Notenbanken wachen wie einst die Prätorianergarde im alten Rom über das Geldmonopol der Reichen, möge die Wirtschaft dadurch auch zugrunde gehen und das Volk verhungern. Wir haben es da mit dem uralten Phänomen Macht zu tun. Die Reichen fühlen es bewusst oder unbewusst, dass der Gottessohn mit dem Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr recht hatte, deshalb brauchen sie alle möglichen Spitzfindigkeiten bis zu „intelligenten Theorien“, um ihre Gier und Unmenschlichkeit zu rechtfertigen. Was diese Menschen in unseren modernen kapitalistischen Gesellschaften wirklich sind, hat Ferdinand Lundberg schon im Jahre 1968 in seinem Buch Die Reichen und die Superreichen umfassend beschrieben, in einer Zeit, als diese Herrschaften noch die „braven Buben von nebenan“ gespielt haben, weil ihnen der Kommunismus im Nacken saß:

„Der Superreichtum weist bestimmte Charakteristika auf: Zunächst einmal verfügt er über eine oder mehrere Großbanken. Ferner übt er einen absoluten oder zumindest doch beherrschenden Einfluß auf einen, zwei, drei oder mehr große Industriekonzerne aus. Ferner kontrolliert die jeweilige Familie eine oder auch mehrere von ihr errichtete Stiftungen. Zu ihren Vermögenswerten gehören einerseits handfeste Aktienpakete, die eine Kontrolle über riesige industrielle Bereiche sichern. Zum anderen aber sollen sie gesellschaftspolitischen Einfluß auf vielen Gebieten des öffentlichen Lebens ermöglichen und eine Vielzahl ideeller Ziele fördern. Diese steinreichen Familien haben außerdem eine oder mehrere Universitäten oder Technische Hochschulen gegründet – zumindest unterstützen sie solche Institute in großem Ausmaß. Darüber hinaus treten sie als politische Geldgeber auf – meistens zum Nutzen der Republikanischen Partei, die so etwas wie das Spiegelbild der Reichen im Lande ist. Diese Familien haben große Vermögenswerte im Ausland angelegt, so daß sie an der Außen- und der Verteidigungspolitik der Regierung, aber auch an ihrem allgemeinen politischen Kurs, besonders stark interessiert sind. Zugleich üben sie direkten Einfluß auf die Massenmedien aus, da ihre Konzerne den Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunk- und Fernsehstationen riesige Beiträge für die Werbung zahlen.“ ... >

 
 
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Geldmonopol und ökonomische Freiheit: Eine verhängnisvolle Allianz  
 
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